Adventskonzert des Musikverein Harmonie und des Gesangverein Concordia in St Maria Magdalena
Reichelsheim (hh). „Junger Mann, das war super!“, wurde Concordia Dirigent Tobias Lipka beim Verlassen der Kirche St Maria Magdalena von einer älteren Dame begrüßt. Es war ein Lob für seinen Chor, der mit seiner harmonischen Stimmenvielfalt überzeugen konnte. Treffsicherer hätte es auch Lipka nicht auf den Punkt bringen können. Was die Dame nicht wusste: der Verein bekam die anrollende Grippewelle besonders in den tragenden Sopran- und Tenorstimmen zu spüren. Dennoch war die Idee eines Projektchores nicht gefährdet, das personell etwas gestutzte Ensemble meisterte seine Beiträge ohne jegliche Unschärfen.
Gemeinsam mit dem Musikverein Harmonie und seinem Dirigenten Andreas Schmidt ergänzten die Interpreten ansprechende Chor- und Instrumentalmusik mit temperamentvollen Arrangements zu einem vorweihnachtlichen Leckerbissen.
Das betrifft auch den Nachwuchs. Die sieben Kids spielten locker mit dem Stammorchester Weihnachtslieder und Arrangements. An Blockflöte, Es-Saxophon oder Schlagzeug gaben sie die Melodie vor, wärend die Profis in den jeweiligen Refrain einstiegen. Da war nicht nur der Spaß garantiert. Sie erlebten live den Auftritt vor größerem Publikum und erhielten den verdienten Applaus für ihre Stücke. Da wunderte es auch nicht, dass die Kleinen ihren Platz bis zum Konzertende gar nicht mehr räumen wollten. Die fühlen sich hier oben pudelwohl, freute sich Harmonie–Dirigent Andreas Schmidt.
Diese Passage wurde aus dem Bericht herausgenommen und erscheint separat. / (hh). 21.12.2023
Dabei „schlägt“ sich die Harmonie zunächst durch die weihnachtliche Musikliteratur. Denn Im Fokus steht die Trommel. Zunächst im „Little Drummer Boy“ und seinem bekannten Baraba bam Bam. Hier werden Töne zu Wörtern interpretiert. Oder umgekehrt. Im Klang der Registervielfalt entwickeln die Musiker eine schöne Weihnachtsfantasie. Holzregister und Schlagzeug tragen das mit einer sinfonischen Einleitung und gekonnten Modulationen gespickte Arrangement in ein pompöses Finale.
Später gesellte sich zur Trommel der Dudelsack verpackt als Saxophon Solo in der markanten Eingangsmelodie von Highland Cathedral. Es entwickelt sich ein wachsende Dynamik mit einem Schuss schottischer Mystic hin zum strahlenden Schlussakkord. Das war Gänsehaut pur. Übertroffen wurde dieses prickelnde Feeling nur noch durch den Mix fröhlicher und beschaulicher Passagen und einer Titelmelodie fürs Herz. Cinderellas Dance ist eine harmonische Fantasie im Zusammenspiel der einzelnen Register. Und die kullernde Tränchen gab’s beim Musikverein gratis dazu.
Antonín Dvořáks Ausflug in die Neue Welt ist eine Reise in die Welt der Rhythmen. Markant und wuchtig, doch von Advent und Weihnacht keine Spur. Die klassische Komposition mit vielen Schlagzeugelementen bringt seine Eindrücke harmonisch zum klingen. Typisch USA, typisch 19. Jahrhundert, aber auch der Inbegriff der Rockmusik dieser Zeit.
Nun sang die Concordia wunderschöne Chorpartituren. Mal populär, mal fröhlich, mal feierlich, oder die Stille der heiligen Nacht im Fokus. Immer überzeugend, mitreißend und mit viel Feingefühl. Die Interpreten arbeiteten die Dynamik der Stücke präzise heraus und erwiesen sich in der englischsprachigen Literatur stilsicher. Kein Wunder, Schrieben die Sängerinnen dem Dirigenten doch Stücke wie Nativity Carol ganz oben auf den Notizblock.
Zweistimmig beginnend splittet sich das Stück ins Vierstimmige: „Schön, wie sich die Stimmen auffächern und einen homogenen Klang bilden.“ Die romantischen Aspekte des Festes betonend, war das fast poppige Weihnachtszeit, fröhliche Zeit. „Ein ganz fieser Satz, aus dem die englischen Tonlagen herausgefiltert werden mussten“ urteilt Lipka augenzwinkernd. Das rhythmisch sakrale Quodlibet Night of silence erzählte nun in andächtige Stille vom Zauber der heiligen Nacht.
In dieses Genre fiel auch das in lupenreinem Sopran vorgetragene Oh Holy Night von Antonia Molnár. Mit ihrer Schwester Annalena Finkeldey im improvisierten Alt fingen beide die einzigartige Stimmung der heiligen Nacht ein.
Temperamentvoll und fetzig und doch voller ansteckende Weihnachtsfreude. Mit Feliz Navidad im Latino Swing und dem Merry Christmas Everyone von Shakin‘ Stevens bog die Harmonie in die Schlussgerade ein. Auch wenn die zuvor genannte Dame einen ganz anderen Favoriten hatte: nämlich das populäre Weihnachten bin ich zu Haus. Bei der eleganten Stimmführung von Axel Finkeldey legte sich der Chor diszipliniert zurück und lies den Solisten gekonnt zur Geltung kommen.



Fotos: Musikverein Harmonie


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