160 Jahre Gesangverein Concordia Dorn-Assenheim: Chorkonzert in St Maria Magdalena
„Ein Verwandter von mir hatte ein paar Mal Tränen in den Augen,“ gestand Tobias Lipka am Ende eines gelungenen Jubiläumskonzerts. Mit interessanten Interpretationen und inspirierenden Darbietungen berührte der Leiter des Gesangvereins Concordia nicht nur die Herzen des Publikums, sondern ehrte auch die 160-jährige Geschichte seines Chors.

Lipka war Dreh- und Angelpunkt des Geschehens in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena und nahm mit der Eintracht Beienheim sowie den New Tones Dorheim zwei weitere seiner Chöre ins Programm. Mit ihm am Klavier boten die Sängerinnen und Sänger von der ersten bis zur letzten Note ein Wechselspiel zwischen unterschiedlichen musikalischen Stilen und authentischen emotionalen Höhepunkten. Lipka, der die Vorbereitung als „spannend“ bezeichnete, wollte mit seiner Auswahl den Draht zum Publikum herstellen. Und er ließ keinen Zweifel daran, dass die Chöre hierfür alles gaben.

In den Notizen aus der Provinz (WZ vom 12.10.2024) ist ein weiterer Artikel aus dem Anekdotenfundus der Concordia erschienen: (K)ein Ständchen für Kaiser Wilhelm
Mit „Nessaja“ aus Peter Maffays Musical Tabaluga startete die Concordia symbolisch. „Das war eines der ersten Lieder, die wir zusammen einstudiert hatten“, erinnerte sich Lipka an seine Anfangszeit vor 13 Jahren. Grund genug für ihn, dem Lied über Freundschaft und Hoffnung neu bearbeitet eine eigene Handschrift zu geben.
Im Kontrast hierzu stehen Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“, bei dem man den Interpreten die Freude an der populären Melodie regelrecht anmerkte. Das gilt auch für die romantische Stimmführung von „Aber dich gibt’s nur einmal für mich.“ Hier thematisiert der Chor nichts Geringeres als die Liebe, um dann eindrucksvoll in das Genre der Pop-Balladen abzubiegen. Mit einer kraftvollen Präsentation und präzisen Übergängen war der Klassiker „Über sieben Brücken musst du gehen“ ein Paradebeispiel für die emotionale Tiefe des Konzerts. Michael Dönges’ Saxophon-Solo hebt das Stück mit seiner fein akzentuierten Dynamik auf einen unvergesslichen Höhepunkt und verleiht der Sehnsucht der Melodie eine eindrucksvolle Intensität.
Talent und Vielseitigkeit waren gefragt, als die Eintracht aus Beienheim den Altarraum betrat. Bei „Tage wie diese“, sag Lipka, „haben wir es mit einer großen deutschen Punkrockband zu tun, die in Stadien das Publikum mit brachialer Lautstärke erobert. Demgegenüber steht unser kleiner Chor mit einem Klavier.“ Dennoch bewältigten die Interpreten die unterschiedlichen Stilrichtungen von Dramatik und Empathie mit Bravour. Hier die kraftvollen Klangfarben des „Gefangenenchors“ aus Giuseppe Verdis Oper Nabucco, dort die einfühlsamen Passagen von „Dir gehört mein Herz“ im typischen Phil Collins Sound.
Emotionen pur! Die New Tones aus Dorheim verstanden es, verschiedene Gefühlslagen präzise auszudrücken – von Loyalität bis Freundschaft und Abschied. Zunächst gaben die Interpreten ihr „Ehrenwort“. Das humorvolle A-Cappella-Stück aus Volksmusikelementen und modernem Pop kommt mit harmonischer Vielfalt fulminant zur Geltung. Nun präsentierte der Chor eine klare melodische Linie mit genau abgestimmten dynamischen Übergängen. Mit „Seite an Seite“ und „Der letzte Tanz“ wechselten gefühlvolle und lebendige mit ausdrucksstarken und melancholischen Tonlagen.
Den letzten Schliff erhielt das Konzert durch die Instrumentalbeiträge des Musikvereins Harmonie. „Ein Leben lang“ garantierte mit seinem positiven Flair den Schulterschluss mit dem Publikum. Und „Hey Jude“ von John Lennon ist mehr als nur ein Lied; es erzeugte generationenübergreifend Gänsehaut. Da kam der Walfänger-Shanty „Wellermann“, so eine Besucherin, „gerade richtig, um das Publikum mit seinen fetzigen Tönen wieder auf den Boden zurückzubringen.“ Die Alphornbläser zauberten schließlich mit ihren Naturtönen alpenländisches Flair ins Kirchenschiff.
Mit dem gemeinsamen „Schau auf die Welt“ nahmen die Chöre das Publikum noch einmal mit auf eine festliche Entdeckungsreise zu den Schönheiten des Lebens. „Ich lasse meine Chöre gerne wie Instrumente klingen“, verabschiedet sich Tobias Lipka. In diesem Sinne gratulierten der Concordia zum 160. Geburtstag gleich ein ganzes Orchester.
Fotos:Überzeugten mit einladenden Melodien und harmonischen Klangfarben: Tobias Lipka am Klavier und seine drei Chöre Concordia Dorn-Assenheim (weiß), New Tones Dorheim (mit bunten Halstüchern) und Eintracht Beienheim (schwarz)
Ein Blick ins Kirchenschiff von Sankt Maria Magdalena aus der Perspektive des Musikverein Harmonie Dorn-Assenheim
Bereicherten das Konzert mit wunderschönen Naturtönen: die Alphornbläser
Quellen: GV Concordia mit Michael Dönges (Michael Schreiber), Fotos Bildergalerie (Sr Annabel Rief), Foto Vorsitzende (GV Concordia), Kaiser Wilhelm II. (Imago)









Eine Tuba, Strafen und neue Traditionen
Gesangverein Concordia feiert 160 Jahre Chorgesang in Dorn-Assenheim
Reichelsheim (hh). Was hat eine Tuba mit einem Chor zu tun und was kostet eigentlich eine Runde lauter Unterhaltung? Mit einleitenden Worten über die Gründung des Gesangverein Concordia vor 160 Jahren begrüße die erste Vorsitzende Christel Gast das Publikum zum festlichen Konzertnachmittag in der Pfarrkirche St Maria Magdalena:

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine regelrechte Welle an Vereinsgründungen unterschiedlichster Ziele. An Aufzeichnungen haperte es allerdings vielerorts. So ist auch in Dorn-Assenheim davon auszugehen, das bereits vor dem bekannten Gründungsdatum in lockerer Runde gesungen wurde. Das Jahr 1864 geht älteren Quellen zufolge auf das erste Sängerfest und der damit verbundenen Fahnenweihe zurück.
Die ersten Aufzeichnungen beinhalteten eine Satzung und dokumentierte die bis heute anhaltende enge Zusammenarbeit mit dem Musikverein Harmonie. Immerhin finanzierten die Sänger damals die erste Tuba der Musiker. Die womöglich erste Satzung war von Gehorsam gegenüber der Obrigkeit geprägt und beinhaltet jede Menge Strafgelder bei Verstößen gegen die Vereinsordnung. Zu spät kommen wurde nach 15 Minuten mit fünf Pfennig geahndet, Rauchen und laute Unterhaltung kosteten extra.
Das letzte große Fest feierte die Concordia vor zehn Jahren mit Veranstaltungen über das ganze Jahr. Bereits damals pflegte die Concordia zwei Traditionen, die bis heute andauern: Seit 2011 wird im Pfarrheim ein Weinfest gefeiert, dem im Dezember das 1979 begründete Adventskonzert mit dem Musikverein Harmonie folgt.
Chorleiter Tobias Lipka ist seit 2011 an Bord und versucht eine weitere Tradition zu etablieren. Dabei unterstützen sich seine Vereine aus Beienheim, Dorheim und Dorn-Assenheim nicht nur gegenseitig bei Auftritten, sondern führen reihum gemeinsame Konzerte „mit jeweils einem Sahnehäubchen“ durch. Dies ist, so Lipka, auch der Vielfalt des Repertoires nur förderlich. 2023 war Beienheim mit Filmausschnitten zu den jeweiligen Liedern dran, jetzt der Jubiläumsverein mit Instrumenteneinlagen und nächstes Jahr geht’s nach Dorheim.
Mit Livemusik: Am Samstag, 16. November findet wieder das Weinfest statt. Los geht’s um 19:00 Uhr im Pfarrheim in Dorn-Assenheim.



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