
160 Jahre: Ein solches Jubiläum konnte der Gesangverein 1864 Concordia Dorn-Assenheim jüngst feiern. Anlass für die Vorsitzende, Christel Gast, in den Annalen der Gründergeneration zu blättern. Ein Sprichwort besagt: „Die Zeiten ändern sich, aber die Menschen bleiben gleich.“ Das zeigt ein Beispiel aus dem 19. Jahrhundert besonders deutlich.
Im Jahr 1891 sollte, wie jedes Jahr, der Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. feierlich besungen werden – das dachte sich zumindest der Dirigent Lehrer B. Doch als er mit froher Erwartung zur Gesangsstunde trat, fehlten von 11 Mitgliedern nicht nur jede Spur, sondern offensichtlich auch das nötige Standesbewusstsein. Unentschuldigtes Fehlen schien zur neuen Mode geworden zu sein, zumal einige Sänger sogar demonstrativ „vor Beginn der Festlichkeit die Wirtschaft verlassen hatten.“
Diese Taktlosigkeit brachte Lehrer B. – ganz dem alten Herrschaftsgeist verpflichtet – dazu, mit dem Äußersten zu drohen. „Er geriet in eine solche Aufregung, dass er den Dirigentenstab niederlegte.“ Doch kaum zehn Tage später war der Rücktritt vom Rücktritt vollzogen. Zurück an der Spitze des Gesangvereins ließ Lehrer B. keinen Zweifel aufkommen: „Dem Director allein (also ihm) steht das Recht zu, jedes Mitglied bei Ungehorsam aus dem Verein auszuschließen.“ So erhielt der Kaiser zwar keine würdige Ehrung, die Botschaft war jedoch unmissverständlich: In einem Verein ist Disziplin das A und O – sonst fliegt man raus! Ob die elf Betroffenen im Verein verblieben, ist unbekannt. Fest steht hingegen, dass (Wieder-)Aufnahmen an strenge Regeln gebunden waren, die nur unbescholtenen Männern den Zutritt ermöglichten. Doch nach dem kaiserlichen Eklat war deren Unbescholtenheit endgültig futsch.


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