CDU-Fraktion Reichelsheim fordert frühzeitige Klärung offener Fragen zum geplanten Umspannwerk – Fragenkatalog an Bürgermeisterin Lena Herget übermittelt
Reichelsheim (hh). „Ein Projekt in dieser Größenordnung braucht vor allem eines: frühzeitige Transparenz“, betont Holger Hachenburger, Fraktionsvorsitzender der CDU Reichelsheim. Deshalb hat die CDU-Fraktion einen umfangreichen Fragenkatalog zum geplanten Umspannwerk der Firma TenneT auf Reichelsheimer Gemarkung an Bürgermeisterin Lena Herget übermittelt. Ziel ist es, die wesentlichen offenen Punkte rechtzeitig zu klären – bevor TenneT das Vorhaben in der Stadtverordnetenversammlung am 28. August in Beienheim vorstellen wird.
Die CDU möchte, dass die Antworten rechtzeitig vorliegen – schriftlich und fundiert –, damit die Parlamentarier gezielt nachfragen können. „Das ist die Grundlage für eine ernsthafte Diskussion“, erklärt Hachenburger. Der Fragenkatalog umfasst insgesamt zwölf zentral strukturierte Punkte. Thematisch reichen sie von der Frage nach der Standortwahl über die Auswirkungen auf Landwirtschaft, Natur und Umwelt bis hin zum zusätzlichen Infrastrukturbedarf, etwa durch Wege, Leitungen oder Betriebsflächen. Ebenso wird nach den möglichen Belastungen für Mensch und Tier durch Emissionen gefragt – sowie danach, welchen konkreten Nutzen das Vorhaben für Reichelsheim und die übrigen betroffenen Kommunen haben soll. Auch die geplanten Formate zur Öffentlichkeitsbeteiligung und der zeitliche Ablauf des Genehmigungsverfahrens werden kritisch hinterfragt. Die CDU legt dabei besonderen Wert auf nachvollziehbare und belastbare Antworten, die den Bürgerinnen und Bürgern eine sachliche Meinungsbildung ermöglichen.
„Es geht hier um 30 Hektar in einer der fruchtbarsten Agrarlandschaften Hessens. Die Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, warum gerade hier gebaut werden soll, welche Folgen das hat – und was dafür getan wird, um diese Folgen abzumildern“, so Hachenburger weiter.
Dass TenneT ihr Projekt in der Stadtverordnetenversammlung vorstellt, sei ein erster Schritt. Dem müsse jedoch der direkte Dialog mit der Öffentlichkeit in gesonderten Bürgerversammlungen folgen. „Wir erwarten, dass spätestens mit den Antworten auf unsere Fragen die öffentliche Debatte beginnen kann.“
Wichtig ist der CDU-Fraktion, dass das Thema parteiübergreifend angegangen wird. „Wir begrüßen es ausdrücklich, wenn sich im Parlament die Reihen schließen. Eine geschlossene Haltung der kommunalen Gremien stärkt Reichelsheim – auch gegenüber TenneT“, so Hachenburger.
Obwohl er, Hachenburger, dem Projekt derzeit mit großer Skepsis begegnet, zeigt sich die Fraktion offen für eine konstruktive Auseinandersetzung. „Wir sind bereit, an Lösungen mitzuarbeiten, die die Interessen unserer Kommune bestmöglich wahren – ausdrücklich auch gemeinsam mit Bürgermeisterin Lena Herget. Das erwarten unsere Bürgerinnen und Bürger zu Recht von uns – und dafür stehen wir auch als CDU“, betont der Fraktionsvorsitzende.
Die CDU fordert die Bürgermeisterin daher auf, die Fragen zeitnah an TenneT weiterzuleiten und die schriftlichen Antworten vor der Sitzung am 28. August öffentlich verfügbar zu machen. Nur so sei gewährleistet, dass die Stadtverordnetenversammlung nicht zur reinen Informationsveranstaltung verkomme, sondern ihren Aufgaben der Kontrolle, Mitgestaltung und Interessenvertretung auch gerecht werden könne.
Der Zwölf Punkte Fragenkatalog

der CDU-Fraktion Reichelsheim an Bürgermeisterin Lena Herget mit der Bitte, die Firma TenneT um Beantwortung rechtzeitig vor der Stadtverordneten-versammlung am 28.8.2025 aufzufordern. Wobei rechtzeitig für uns der 24.8.2025 ist, um die Antworten am Tag danach in der Fraktion zu beurteilen.
- Nach welchen konkreten Kriterien wurde der favorisierte Standort südlich von Beienheim ausgewählt?
- Welche Alternativflächen wurden geprüft – und aus welchen Gründen verworfen?
- Wie wurden naturschutzfachliche, agrarstrukturelle und raumordnerische Aspekte bei der Standortentscheidung gewichtet?
- Die Wetterau zählt zu den fruchtbarsten Agrarregionen Hessens. Wie wird der dauerhafte Verlust hochwertiger Ackerflächen kompensiert?
- Ist ein Ausgleich über Flächenpool, Nutzungsentschädigungen oder andere Maßnahmen geplant, um die Landwirtschaft in der Region zu entlasten?
- Welche zusätzliche Infrastruktur (z. B. Zufahrtswege, Betriebsgebäude, Versorgungsleitungen, Drainagen etc.) ist für die Errichtung und den Betrieb des Umspannwerks erforderlich?
- Wird es hierfür weitere Bodenversiegelung oder Eingriffe in bestehende Wege-, Feld- oder Wasserstrukturen geben?
- Welche Auswirkungen auf Flora, Fauna und Bodenökologie (z. B. durch Flächenumbruch, Bauarbeiten, Lichtemissionen) sind prognostiziert?
- Welche Emissionen (elektromagnetisch, akustisch, thermisch, lichttechnisch) gehen vom Umspannwerk aus – und wie wirken sie sich auf Menschen, Tiere und umliegende Wohnbereiche aus?
- Wann wird das Planfeststellungsverfahren eingeleitet, und welche Instanz ist dafür zuständig?
- Welche Informations- und Dialogformate (z. B. Bürgerversammlungen und Sprechstunden, Ortsbegehungen, Fachworkshops) sind seitens TenneT vor Ort geplant – und wann?
- Welche konkreten Vorteile entstehen für die Region insgesamt – und speziell für die betroffenen Kommunen Reichelsheim, Friedberg und Wölfersheim (z. B. Netzanbindung, Einnahmen, Einspeisemöglichkeiten, Ausgleichsmaßnahmen)?


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