Modernste Technik minimiert Landverbrauch

CDU-Fraktion konkretisiert ihre Haltung zum geplanten Umspannwerk nach Bürgerversammlung

Reichelsheim (pm). „Wir sehen es als unsere Aufgabe, technische Machbarkeit, Umweltverträglichkeit und die Interessen unserer Landwirte zusammenzuführen und einzufordern“, fasst der CDU-Fraktionsvorsitzende Holger Hachenburger die Bewertung seiner Partei zum geplanten Umspannwerk des Netzbetreibers Tennet nach der jüngsten Bürgerversammlung zusammen. Daraus leitet die CDU einen Handlungs- und Prüfauftrag ab, der die jeweils neuesten technischen Entwicklungen berücksichtigt. Sollte das Projekt realisiert werden, erwartet die CDU von Tennet eine Lösung mit absolut minimalem Landverbrauch.

Die jüngste Vorstellung durch Tennet brachte nach Einschätzung der Fraktion nur wenige neue Erkenntnisse. Viele Fragen – etwa zu möglichen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur – sollen ohnehin erst später beantwortet werden. Auffällig war jedoch der Unterschied in der Wahrnehmung: Während die Vertreter von Tennet Hachenburgers Auffassung nach „ihre Folien eher nüchtern präsentierten, machten die Landwirte im Saal ihre Sorgen mit Leidenschaft deutlich.“ Ihre klare Argumentation habe gezeigt, „wie stark sich die Landwirtschaft bis in ihre Existenzgrundlagen betroffen fühlt.“

Im Zentrum der Bewertung stand die Frage nach der Bauweise und der eingesetzten Technik. Bekannt ist, dass eine luftisolierte Schaltanlage enorme Flächen beansprucht und die Landschaft damit massiv belastet. Eine gasisolierte Schaltanlage sei zwar deutlich kompakter, werde allerdings mit dem extrem klimaschädlichen Schwefelhexafluorid (SF₆) betrieben. Dieses Gas wirkt um ein Vielfaches klimaschädlicher als CO₂ und wird in der EU schrittweise verboten.

Daher sehe eine flächenminimierende Prüfung vereinfacht dargestellt wie folgt aus:

  • Auf der 110-Kilovolt-Ebene sind gasfreie Lösungen wie Clean-Air- oder Vakuum-Schaltanlagen die erste Wahl – marktverfügbar, genehmigungsfähig, zukunftssicher.
  • Auf der 380-Kilovolt-Ebene gilt es, eine verbindliche Perspektive in Richtung Clean-Air-Technologien zu prüfen. Zwei Wege sind derzeit denkbar: eine Clean-Air/Vakuum-Technik, die ab 2028 breit verfügbar sein dürfte, oder – falls der Zeitplan es erfordert – moderne Gasgemische wie g³ oder EconiQ. Solche Übergangslösungen müssten vertraglich so gestaltet werden, dass eine spätere Umrüstung möglich bleibt.

„Wir nehmen uns bewusst Zeit für die Zukunft“, unterstreicht Hachenburger die Position der CDU. Verzögerungen durch den Einsatz neuer Technologien müssten akzeptabel sein. „Der größere Beitrag zur Umweltverträglichkeit, ein geringeres Klagerisiko und eine höhere Akzeptanz gleichen dies aus.“

Zugleich weist die CDU darauf hin, dass der vorgesehene Standort grundsätzlich problematisch ist – sowohl wegen der hochwertigen Böden als auch wegen der schwierigen Suche nach Ausgleichsflächen. Hachenburger: „Die Belange der Landwirtschaft sind Teil unserer DNA. Wenn Tennet Kompromissbereitschaft signalisiert, kann eine durchdachte technische Lösung helfen, Konflikte zu entschärfen. Sie ersetzt jedoch nicht die grundsätzliche Prüfung der Standortwahl.“

Dabei betonte die CDU nochmals, eine gemeinsame Linie aller Fraktionen zu unterstützen. „Nur wenn die Stadt Reichelsheim geschlossen auftritt, haben wir überhaupt eine Chance, den Prozess in unserem Sinne zu beeinflussen.“

(Stand:  12.9.2025, 10:30 Uhr / hh.)


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