Präventiv denken, Strukturen stärken

CDU bringt Antrag zum Hessen-Programm Gemeindepflege ein und will Strukturen neu ordnen

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Reichelsheim (hh). „Unser Ziel ist es, die Unterstützung älterer Menschen weiter zu entwickeln, bestehende Strukturen zu stärken und die Initiative Leben im Alter sinnvoll zu ergänzen, begründet CDU-Fraktionsvorsitzender Holger Hachenburger einen Antrag, den die Partei in die Stadtverordnetenversammlung am 20. Januar einbringt. So wollen die Christdemokraten die Einführung einer präventiven Gemeindepflege für Reichelsheim vorbereiten und sicherstellen. Grundlage ist das 2021 eingeführte Landesprogramm “Gemeindepflege“, das nun nach Angaben der hessischen Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) über 2026 hinaus weitergeführt werden soll.

„Reichelsheim hat mit der Sozialstation Mittlere Wetterau eine starke und hoch anerkannte Einrichtung. Gleichzeitig wissen wir, dass präventive Beratung, aufsuchende Unterstützung und Vernetzung immer mehr an Bedeutung gewinnen“, erklärt Hachenburger. Genau hier setze das Landesprogramm zur Gemeindepflege an: Es ermögliche niedrigschwellige, präventive Arbeit auch ohne Pflegegrad oder pflegerische Aufgaben und schaffe Entlastung für bestehende Strukturen.

Mit der Verlängerung finanziert das Land Hessen weiterhin 80 % der Personalkosten für zwei Jahre. Die Fraktion hoffe nun, dass der Wetteraukreis seine Kofinanzierung von 20 Prozent ebenfalls über 2026 aufrecht erhält. „Damit bietet sich die realistische Chance, eine solche Stelle ohne Belastung des städtischen Haushalts zu prüfen“, so Hachenburger. Wichtig sei der CDU jedoch ein geordneter Prozess. Der Antrag sieht ausdrücklich vor, dass ein möglicher Förderantrag erst dann gestellt wird, wenn alle fachlichen, organisatorischen und strukturellen Fragen geklärt sind.

Grundlage dafür ist die vom Magistrat angestoßene Initiative „Leben im Alter“. Sie bildet den strategischen Rahmen, in dem Bedarfe erhoben, Ziele definiert und Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden. „Uns geht es nicht um neue Parallelstrukturen“, betont der Fraktionschef. „Im Gegenteil: Die Gemeindepflege soll – wenn sie kommt – bestehende Angebote ergänzen, nicht konkurrieren.“

Auch die Erfahrungen anderer Kommunen im Wetteraukreis zeigen, dass Gemeindepflege ein wirksames Instrument sein kann, um ältere Menschen frühzeitig zu unterstützen, Einsamkeit vorzubeugen und den Verbleib im eigenen Zuhause zu erleichtern. Ein begleitender Austausch mit Nachbarkommunen ist daher Teil der Überlegungen.

Der Antrag ist bewusst ergebnisoffen formuliert. Denkbar sei sowohl eine organisatorische Anbindung bei der Stadt als auch perspektivisch eine Einbindung in eine weiterentwickelte Struktur der Sozialstation. Entscheidend sei, dass Reichelsheim vorbereitet, abgestimmt und verantwortungsvoll vorgehe.

„Wir wollen keine Schnellschüsse, sondern eine tragfähige Lösung“, erklärt Hachenburger. „Mit dem Antrag schaffen wir die Grundlage, um gemeinsam mit Verwaltung, Sozialstation und weiteren Akteuren zu prüfen, wie präventive Unterstützung im Alter in Reichelsheim künftig gut aufgestellt sein kann.“

Symbolfoto: Gemeindepflege unterstützt (chatGPT-generiert)

Hier nun Antrag und Begründung der CDU-Fraktion Reichelsheim im Wortlaut:

Der Antrag zum Hessen-Programm “Gemeindepflege 2.0“

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt:

1. Der Magistrat wird beauftragt, die Einführung einer präventiven Gemeindepflege für Reichelsheim vorzubereiten und hierzu das verlängerte Landesprogramm „Gemeindepflege 2.0“ zu prüfen.

2. Die Prüfung erfolgt im Rahmen der städtischen Initiative „Leben im Alter“, die als strategischer und organisatorischer Rahmen dient.

3. Der Magistrat stellt sicher, dass ein möglicher Förderantrag beim Land Hessen erst gestellt wird, wenn alle fachlichen und organisatorischen Klärungen abgeschlossen sind und der Zeitpunkt sinnvoll in die Gesamtstrategie eingebettet ist.

4. Punkt 3. beinhaltet ausdrücklich die Voraussetzung, dass der Wetteraukreis die Restfinanzierung von 20 % übernimmt.

5. Der Magistrat berichtet der Stadtverordnetenversammlung regelmäßig über den Fortschritt.

Die Begründung

Reichelsheim steht aufgrund des demografischen Wandels vor einem wachsenden Bedarf an präventiven, aufsuchenden und koordinierenden Unterstützungsangeboten. Die Ergebnisse der Initiative „Leben im Alter“ zeigen einen deutlichen Bedarf an Beratung, Vernetzung und Prävention.

Die Sozialstation arbeitet seit Jahren auf sehr hohem Niveau, ist aber durch steigende Fallzahlen und Personalmangel stark gebunden. Präventive Tätigkeiten können nur eingeschränkt geleistet werden. Eine Gemeindepflegekraft kann diese Lücke schließen und zugleich die Sozialstation entlasten.

Die Landesregierung hat einer Pressemitteilung die ist Hessischen Ministeriums für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales vom 1.12.2025 die Absicht bekundet, das Programm über den 31.12.2026 zu verlängern. Eine verbindliche Kofinanzierung durch den Wetteraukreis steht allerdings noch aus. Ziel des Antrags ist dennoch die vollständige externe Finanzierung einer solchen Stelle, weshalb der Antrag an entsprechende Bedingungen geknüpft ist.

Der Magistrat hat im März 2025 begründet, warum ein Einstieg zu früheren Zeitpunkten aufgrund der Befristung und Personalsituation nicht sinnvoll war. Diese Rahmenbedingungen haben sich nun grundlegend verändert.

Der Antrag setzt deshalb bewusst nicht auf Schnelligkeit, sondern auf einen geordneten, fachlich abgestimmten Prozess, der:
• die Strukturen der Sozialstation stärkt
• die Initiative „Leben im Alter“ operativ ergänzt
• keine Parallel- oder Doppelstrukturen schafft
• eine langfristig tragfähige Lösung ermöglicht

Das Ergebnis bleibt ausdrücklich offen — sowohl ein kommunales Modell als auch eine Integration in eine „Sozialstation 2.0“ sind denkbar.


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