Musikverein Harmonie setzt bei Jugendarbeit auf Kooperation mit der Musikschule Bad Nauheim
Reichelsheim (hh). „Wir sind kein überalterter Verein, aber wir müssen uns bewusst machen, wo Lücken entstehen“, setzte der Harmonie-Vorsitzende und Dirigent Andreas Schmidt schon früh den Ton des Abends. Angesichts fehlender Vorstandswahlen auf der Tagesordnung des Dorn-Assenheimer Musikvereins nahm er sich die Zeit, mit einer nüchternen, aber konstruktiven Einordnung den Blick nach vorne zu richten. Auch für Jugendleiterin Miriam Guckelsberger ist die Nachwuchsarbeit „kein Selbstläufer mehr, sondern brauche neue Wege, neue Ideen – und vor allem Geduld.“
Wer an diesem Abend das Pfarrheim betrat, konnte die Herausforderung mit Händen greifen. Links die Tischreihe erfahrener Musiker, die schon vor Jahrzehnten gemeinsam zum Stammorchester gehörten, rechts eine lebhafte Gruppe junger Mädchen – die „wilden Hühner“, wie es augenzwinkernd aus dem Vorstand hieß. Und dazwischen: eine auffällige Lücke. Genau dieses Bild fand sich in der von Schmidt präsentierten Altersstruktur wieder. Damit zeigte er ein offensichtliches Defizit in der Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren, wo eigentlich das stabile Rückgrat eines Orchesters liegen sollte.
Zunehmend fehlt es auch an Ausbildern, weshalb die Nachwuchsarbeit stärker in den Fokus rücken soll. Hier zeichnen sich bereits konkrete Fortschritte ab, wie die angestrebte Kooperation mit der Musikschule Bad Nauheim. Sie soll nicht nur die Ausbildungssituation verbessern, sondern auch den Übergang vom ersten Instrumentenkontakt hin zum aktiven Musizieren im Verein strukturierter gestalten. Schmidt wie Guckelsberger betonten die Perspektiven für die Harmonie: Nach einer fundierten Ausbildung soll mittelfristig wieder ein eigenes Jugendorchester entstehen. Für den Vorsitzenden ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich Investitionen in die Zukunft auszahlen und “ein Signal mit Strahlkraft über den Verein hinaus”.
Auch für die Jugendleiterin reichen klassische Wege der Nachwuchsgewinnung nicht mehr aus. Mit Formaten wie dem Projekttag „Freude an Musik“, bei dem 17 Kinder spielerisch Musik bei kreativen Klangexperimenten oder Rhythmusspielen und ohne Leistungsdruck erleben konnten. Im Mittelpunkt standen gemeinsames Erleben und ”damit ein Ansatz, der den veränderten Erwartungen junger Menschen Rechnung trägt.”Auch sie sprach von strukturellen Engpässen, besonders bei Ausbildern, welche die Entwicklung gebremst haben. Guckelsberger: “Umso größer ist nun die Hoffnung, mit neuen Kooperationen wieder Fahrt aufzunehmen.”
”Das musikalische Herz schlägt weiterhin im Stammorchester, das mit 29 Musikerinnen und Musikern solide aufgestellt ist“, begann Schmidt seine Dirigentenübersicht. Mit aktuell 14 Schülern und 73 Fördernden verfügt der Verein über eine stabile Basis von 117 Mitgliedern. Es gehe darum, so Schmidt, die Grundlagen dafür zu legen, dass Musik auch künftig im Ort verankert bleibt. Denn die Frage nach der Altersstruktur sei eng verknüpft mit der musikalischen Arbeit. Das Orchester probt engagiert und liefert bei Auftritten zuverlässig Qualität. Es stößt aber an Grenzen, wenn einzelne Register fehlen. Die Konsequenz daraus: mehr Fokus auf Grundlagen, mehr Geschlossenheit im Klang, weniger Anspruch auf das Spektakuläre. Entscheidend sei nicht die Schwierigkeit der Stücke, sondern ihre Qualität in der Ausführung.
Nach der Entlastung des Vorstands überreichte Schmidt den Übungsstundenbesten ein Geschenk: dies waren Nele Becker mit dem Besuch von allen 45 Proben, sowie Manfred Mayer, Thorsten Lemler und Reinhard Weitz.



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