Musikverein Harmonie: Generationenübergreifendes Programm beim 3. Open Air am Bergwerksee
Dorn-Assenheim. „Wir können mehr als Marsch und Polka“, setzte Andreas Schmidt, Vorsitzender und Dirigent des Musikverein Harmonie, den Anspruch für das dritte Open Air am Bergwerksee. Schätzungsweise 550 Besucher kamen ans Seeufer und bildeten die Rekordkulisse für einen Abend, der traditionelle Blasmusik mit moderner Unterhaltung verband. Damit unterstrich das Orchester einmal mehr sein Profil: ein generationenübergreifendes Repertoire, das verschiedene musikalische Welten zusammenführt.
Vor der Kulisse des Bergwerksees reichte die Auswahl von klassischer böhmischer und egerländer Blasmusik bis zu Rock‑, Pop‑ und Musicaltiteln. „Das Ambiente des Sees mit der malerischen Aussicht und Ruhe ist dafür perfekt geeignet“, schwärmt Schmidt vom besonderen Reiz des Veranstaltungsorts.
Der erste Teil gehörte der traditionellen Blasmusik in seiner ganzen stilistischen Bandbreite. Mit Märschen und einer ungewöhnlich großen Auswahl an Polkas griff das Orchester bewusst auch Wünsche seines Publikums auf. Schmidt vermeidet das Wort Konzert, spricht lieber von Unterhaltungsmusik.
Bereits der Konzertmarsch „Am neuen Ufer“ überraschte mit einem unerwarteten Tango-Rhythmus im Trio, bevor das Programm durch böhmische, egerländische und moderne Polka-Klänge führte. „Viele glauben gar nicht, wie anspruchsvoll traditionelle Blasmusik ist, wenn man sie wirklich gut spielen will“, sagt Schmidt. Besonders die „Perger Polka“ mit ihren Rhythmus- und Tempowechseln sowie die „Schankburschen-Polka“, deren Einzelstimmen erst im Zusammenspiel ihre Wirkung entfalten, gehörten für ihn zu den Höhepunkten des ersten Teils.
Zu den besonderen Momenten zählten mehrere Solobeiträge. Während Andreas Schmidt und Tenorhornist Michael Dönges als „Zwei Lausbuben“ mit technisch anspruchsvollem, präzise abgestimmtem Duettspiel überzeugten, setzte Marius Münch bei „Under the Boardwalk“ einen anderen Akzent. Sein Flügelhornsolo lebte weniger von Ausdruck, Klangkultur und musikalischem Gespür. „Es ist genauso schwierig, ein Stück gefühlvoll vorzutragen wie ein technisch anspruchsvolles Stück zu spielen“, lobte Schmidt.
Für den größten Schmunzler sorgte die „Froschpolka“. Passend zur Kulisse des Bergwerksees trat Solist Martin Dönges nicht nur mit Dämpfer, sondern auch mit Froschmaske auf. Die Idee stammte von ihm selbst. „Ich fand es eine schöne Idee, die auch gut zur Location gepasst hat“, sagte Schmidt. Solche Einlagen seien eine willkommene Abwechslung. „Nach meinem Geschmack dürfte es hin und wieder noch ein bisschen mehr Show sein.“
Nach der Pause zeigte die Harmonie eine andere Seite ihres Spektrums. Mit den Titeln der Fäaschtbänkler hielten moderne Volksmusik, Pop- und Rockelemente Einzug ins Programm. Der Mix aus volkstümlichen Einflüssen sowie Pop- und Rockelementen passte hervorragend zur Ausrichtung des Abends. Unterstützt von den Gastsängern Christian Trupp und Andreas Hilger entwickelte sich eine Atmosphäre, die weit über klassische Blasmusik hinausging.
Auch instrumental wagte das Orchester neue Wege. Bei „Rhythm Forever“ entstand aus einem markanten Rockrhythmus ein immer dichter werdendes Klanggefüge, bei dem sich die Register nach und nach zu einem kraftvollen Finale aufbauten. Unterstützt von Jens Mayer an der E-Gitarre erhielten die rockigeren Arrangements zusätzliche Klangfarben, die man in einem klassischen Blasorchester nicht selbstverständlich erwartet.
Dass sich die Musiker intensiv mit den Originalen auseinandergesetzt hatten, zeigte sich besonders bei „Don’t Stop Believin’“, dem ABBA-Medley und dem Potpourri der Neuen Deutschen Welle. Hier wurden nicht einfach bekannte Melodien nachgespielt, sondern Gesangs-, Keyboard- und Gitarrenelemente auf das Blasorchester übertragen. Besonders raffiniert geriet das Finale des NDW-Medleys: Während „Rock Me Amadeus“ bereits die Führung übernahm, blieb die Melodie von „Sternenhimmel“ weiterhin im Orchestersatz präsent. Einmal mehr beeindruckte die Harmonie mit ihrer filigranen Spielweise
Für Andreas Schmidts war der Applaus Ansporn, diesen Weg weiter zu gehen. „Vielleicht noch einen Schuss moderner.“ [hh]
Fotos: Bühnenfoto: Musikverein Harmonie/Sven Tepel — Fotos der Solisten: BR für [hh]
Für Dirigent Andreas Schmidt ein Alleinstellungmerkmal seiner Harmonie: ein generationenübergreifendes Repertoire an Unterhaltungsmusik, das musikalische Welten zusammenführt


Präzision und Spielfreude: Dirigent Andreas Schmidt (Trompete) und Tenorhornist Michael Dönges überzeugten als „Zwei Lausbuben“ mit einem technisch anspruchsvollen und perfekt abgestimmten Duett.
Mit seinem einfühlsamen Flügelhornsolo zu „Under the Boardwalk“ setzte Marius Münch eine Note voller sommerlicher Leichtigkeit.



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