“Der Frosch mit dem Martin“

Aus den: Notizen aus der Provinz

Beim Open-Air-Konzert des Musikvereins Harmonie Dorn-Assenheim am Bergwerksee war schnell klar: Wer hier spielt, tritt automatisch gegen die nächtliche Froschkolonie an, die seit Jahren ohne Probe, ohne Eintritt und ohne Rücksicht auf Ruhezeiten ihre quakenden Konzerte veranstaltet. Ein Naturereignis, sagen die einen. Für die anderen ein amphibisches Überfallkommando.

Für Routinier Martin Dönges Anlass, den notorischen Lautsprechern des Sees musikalisch Paroli zu bieten. Mit Wa-Wa-Dämpfer vor seinem Kuhlo-Flügelhorn und einer Froschmaske präsentierte er die „Froschpolka“. Das künstliche Gequake war so überzeugend, dass die Frösche über ihr eigenes Taktgefühl nachgedacht haben dürften. Das Publikum lachte, der See vibrierte: Mission erfüllt.

Doch während bisher nur vom Frosch die Rede war, saßen am Ufer jene, die traditionell die zweite Geige spielen: die Kröten. Die dürften sich angesichts der Mega-Quakerei gefragt haben, wer am Ende eigentlich selbige zu schlucken hat. Vielleicht kann Krimi-Altmeister Edgar Wallace aushelfen. Der hätte bestimmt seine Freude gehabt: „Der Frosch mit der Maske“ war an diesem Abend kein stadtbekannter Bösewicht, sondern ein ebenso stadtbekannter Harmonie-Solist.


Foto: Harmonie-Solist Martin Dönges

Entdecke mehr von holgerandmore.com

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen