In Verantwortung für Tiere, Menschen und die Stadt!

Meine Stellungnahme zur Neuordnung der Fundtier-Unterbringung in Reichelsheim

Hier geht’s zur Kurzfassung

Anrede,

die heutige Entscheidung ist keine leichte. Und sie ist auch für niemanden eine rein fiskalpolitische Frage. Viele von uns bringen persönliche Erfahrungen, Überzeugungen und emotionale Bindungen in diese Diskussion ein. Das ist legitim, und das ist gut so. Denn kommunale Entscheidungen müssen nicht nur stimmen, sie müssen sich auch richtig anfühlen.

Wir tragen Verantwortung für die Tiere, Verantwortung für die Mitarbeiter, gleichzeitig tragen das Liedwir die Verantwortung für die Steuergelder der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Und diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst.

In den vergangenen Wochen haben wir zahlreiche Fragen gestellt, Zahlen abgeglichen, Aussagen hinterfragt und Antworten eingefordert. Dabei wurde – auch öffentlich – über die Anzahl registrierter Fundtiere diskutiert. Ob es nun fünf oder 50 waren, ändert am Kern unserer Entscheidung nichts: Die zentrale Frage lautet nicht, wie viele Tiere statistisch erfasst sind, sondern ob wir die finanziellen Risiken verantworten können und ob die Versorgung der Tiere dauerhaft gesichert ist.

Die zentrale Frage lautet, ob wir die finanziellen Risiken verantworten können.

Holger Hachenburger 11.12.2025

Und ausgerechnet hier wurde es komplizierter, als es hätte sein müssen. Frau Herget hat im Kreistag für die Sanierung des Tierheims Wetterau gestimmt. Das war ihr gutes Recht. Aber es erzeugte den Eindruck, Reichelsheim werde sich an diesem Weg beteiligen. Unsere Kreistagsmitglieder stehen nun in Erklärungsnot, warum man für Option A stimmte, um dann Option B umzusetzen. All dies hätte von Anfang an klarer kommuniziert werden müssen. Und vor allem ist es ein fragwürdiger Stil, die 180° Wende im Rathaus aus der Presse zu erfahren. Eine Empfehlung für den 23. August nächsten Jahres ist das alles jedenfalls nicht.

Trotz dieser kritischen Anmerkung erkennen wir an, dass Frau Herget unsere Fragen frühzeitig beantwortet hat und ein Gesprächsangebot unterbreitet wurde. Dadurch konnten wir uns eine fundierte Grundlage für unsere Entscheidung schaffen. Herzlichen Dank.

Kommen wir zur Sache: Die Neuordnung des Fundtierwesens betrifft ein Projekt, dessen Kosten erheblich sind. Wir wissen, dass Kommunen wie Karben über einen Austritt aus der Solidargemeinschaft nachdenken und dass weitere Gemeinden Alternativen prüfen. Das heißt: Die Gesamtfinanzierung des Projekts steht auf schwächerem Fundament als noch vor wenigen Monaten. In der Konsequenz bedeutet das, dass die Kosten für verbleibende Kommunen steigen müssen – ein Risiko, das wir nicht verantworten können.

Warum sollten wir ein Projekt unbegrenzt mittragen, wenn schon jetzt absehbar ist, dass die Lasten steigen, die Mitgliederzahl sinken und die Risiken wachsen? Und warum sollten wir dabei ein Tierheim ignorieren, das nicht irgendwo im Kreis liegt, sondern mitten in unserer Stadt? Eine Einrichtung, die seit Jahren verlässlich arbeitet und bereits Fundtiere aus Reichelsheim aufgenommen hat, auch bevor es dafür vertragliche Grundlagen gab.

Am Ende muss eine Frage erlaubt sein: die Frage nach der Machbarkeit!

Holger Hachenburger 11.12.2025

Es wurde öffentlich viel Kritik geäußert. Die Stadt Reichelsheim habe in der Vergangenheit den Tierschutz zum Spottpreis erhalten, die Riege der Vereinsmitglieder in Persona die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister das Tierheim mangels rechtzeitiger Investitionen vergammeln ließen. Wenn dies von Mitarbeitern geäußert wird, die sich sorgen, die sich verantwortlich für das Wohl der Tiere fühlen, dann bestreiten wir weder deren Expertise und Kompetenz. Aber am Ende muss eine Frage erlaubt sein: die Frage nach der Machbarkeit.

Wir stehen heute vor der Frage: Können wir 300.000 Euro aufbringen? Können wir ein Projekt mittragen, dessen tatsächliche Kosten niemand beziffern kann und bei dem das Risiko weiterer Nachzahlungen ausdrücklich unkalkulierbar ist? Und können wir das verantworten, während Baupreise weiter steigen und die Belastungen für die verbleibenden Kommunen wachsen?

Die ehrliche Antwort lautet: Nein. Das können wir nicht und das dürfen wir auch nicht. In der Verantwortung gegenüber den steuerzahlenden Bürgerinnen und Bürgern ist dies nicht zu vertreten.

Wir müssen gleichzeitig sicherstellen, dass die Versorgung von Fundtieren dauerhaft gesichert ist. Dazu gibt es in unserem eigenen Stadtgebiet eine Einrichtung, die bereit ist, diese Aufgabe zu übernehmen und die bereits Erfahrung damit hat. Diese Lösung stellt sicher, dass kein Tier ohne Versorgung bleibt.

Für Rödgen ist eine Bestandsaufnahme erforderlich. Wenn bereits mehrere Kommunen Alternativen prüfen, dann muss man irgendwann eine Bilanz ziehen. Wer bleibt? Welche Bedarfe bestehen letztendlich noch? Welche Kosten sind dann realistisch? Und welche Größenordnung muss getragen werden? Erst dann, und nur dann, kann ein Neubau entstehen, der tragfähig ist. Vielleicht kleiner, vielleicht schrittweise, vielleicht anders organisiert – aber dafür auf einer soliden Basis.

Für Rödgen ist eine Bestandsaufnahme erforderlich.

Holger Hachenburger 11.12.2025

Unsere heutige Entscheidung ist also kein sich vom Acker machen. Sie ist ein Schritt zur Realität. Und ein Schritt zu einer Lösung, die wir verantworten können.

Wir stimmen deshalb dem Antrag der Bürgermeisterin zu. Nicht begeistert, nicht leichtfertig, nicht frei von Emotion, aber überzeugt davon, dass es die richtige Entscheidung ist.

Vielen Dank.


Kurzfassung

🐾 zur Stellungnahme der CDU-Fraktion zur Neuordnung der Fundtier-Unterbringung

Die Entscheidung, die Mitgliedschaft im Tierheim Wetterau zu kündigen und künftig mit dem Tierheim Elisabethenhof in Dorn-Assenheim zusammenzuarbeiten, ist uns nicht leicht gefallen. Es ist keine rein finanzielle Frage – aber am Ende eine Frage der Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt.

In den vergangenen Wochen wurde viel über Zahlen und Statistiken diskutiert. Ob Fundtiere offiziell registriert wurden oder von Bürgerinnen und Bürgern direkt in ein Tierheim gebracht wurden, ändert jedoch nichts an der Kernfrage:

👉 Können wir die finanziellen Risiken eines Neubaus verantworten – oder nicht?

Die ehrliche Antwort lautet: Nein.

Rund 300.000 Euro Kosten plus ein unkalkulierbares Nachschussrisiko sind für Reichelsheim nicht tragbar – insbesondere, wenn weitere Kommunen über einen Austritt nachdenken und sich die Lasten auf immer weniger Schultern verteilen würden.

Wichtig ist uns dabei: Kein Tier bleibt unversorgt.

Mit dem Tierheim Elisabethenhof gibt es eine bewährte, engagierte Einrichtung direkt in Reichelsheim, die diese Aufgabe übernehmen kann und dies in der Vergangenheit bereits getan hat.

Unsere Entscheidung ist kein Weglaufen und keine Abwertung der Arbeit in Rödgen. Sie ist eine realistische und verantwortungsvolle Neuordnung, verbunden mit der Forderung nach einer ehrlichen Bestandsaufnahme auf Kreisebene, bevor weitere große Bauentscheidungen getroffen werden.

👉 Deshalb stimmt die CDU-Fraktion dem Antrag zu.

Nicht leichtfertig. Nicht emotionslos. Aber überzeugt davon, dass es der richtige Weg ist.

(Namentliche Abstimmung: JA (SPD, CDU) NEIN (FW, 2CDU)


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